Bürgschaftsbank Hessen beschließt erfolgreiches Geschäftsjahr 2021

189 Millionen Euro Investitionen & Liquidität in 2021 ermöglicht / Ukraine-Sonderprogramm genehmigt / Geschäftsbericht veröffentlicht

Wiesbaden. Die Gesellschafter der Bürgschaftsbank Hessen, Kammern und Verbände Hessens, dazu Institute der Kredit- und Versicherungswirtschaft, haben den erfreulichen Jahresabschluss 2021 genehmigt. Im vergangenen Jahr konnte die Bürgschaftsbank Hessen 216 Vorhaben hessischer Unternehmen besichern, übernahm 76 Millionen Euro an Bürgschaften und Garantien und ermöglichte so 189 Millionen Euro Investitionen und Liquidität, indem sie fehlende Sicherheiten ersetzte.

Der kumulierte Bestand an Bürgschaften und Garantien betrug zum Jahreswechsel 335 Millionen Euro, ein neuer Höchstwert. Insgesamt war das Ergebnis des Jahres 2021 das zweithöchste Ergebnis der über 65-jährigen Geschichte der Bürgschaftsbank Hessen.

„Die Gesellschafter und der Aufsichtsrat sind sehr zufrieden mit dem Jahresergebnis der Bürgschaftsbank Hessen“, sagt Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände e.V. (vhu) und Vorsitzender des Aufsichtsrats der Bürgschaftsbank Hessen, „in einer schwierigen Zeit war die Bürgschaftsbank da, als sie gebraucht wurde und hat die hessische Wirtschaft tatkräftig unterstützt. Wir sind zuversichtlich, dass dies auch im aktuellen Jahr 2022 gelingt.“

 

Ukraine-Sonderprogramm aufgelegt

Der Aufsichtsrat trug in Wiesbaden seinen Teil dazu bei und genehmigte die Sonderprogramme zur Unterstützung von Unternehmen, die von den Folgen des Krieges in der Ukraine betroffen sind. Ab sofort können heimische Unternehmen für die Finanzierung ihrer Liquidität Sicherheiten in Form von Bürgschaften bekommen, wenn sie beispielweise durch Produktausfälle, Lieferengpässe oder hohe Energiekosten unter Druck geraten sind.

Für das laufende Jahr 2022 rechnet die Geschäftsleitung mit einem stabilen Ergebnis: „Wir haben während der Pandemiejahre gesehen, wie stabil die hessische Wirtschaft doch ist“, sagt Sven Volkert, Geschäftsführer der Bürgschaftsbank Hessen, „eine von manchen prognostizierte Insolvenzwelle blieb aus – und wir rechnen auch in naher Zukunft nicht damit. Zwar sehen wir, dass viele Branchen durch die aktuelle Entwicklung in Osteuropa unter Druck geraten, doch insgesamt ist die Lage aktuell relativ stabil“.

Teil des Geschäftsmodells der Bürgschaftsbank ist es auch, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu bürgen, auch wenn dies tendenziell höhere Ausfälle bedeuten sollte. Für das Jahr 2022 zeichnen sich moderat steigende Ausfälle gegenüber dem Mehrjahresdurchschnitt ab. Diese wurden erwartet und darauf ist das Institut auch gut vorbereitet.

 

Von der hessischen Wirtschaft für die Wirtschaft

Mit einer Bürgschaft oder Garantie der Bürgschaftsbank werden viele Investitionen erst ermöglicht, zudem werden Finanzierungen deutlich preiswerter, da die Bürgschaft der BB-H aus Sicht der Hausbanken eine erstklassige Sicherheit darstellt.

Die Bürgschaftsbank Hessen (BB-H) ist privatwirtschaftlich organisiert, ihre Gesellschafter sind Kammern und Verbände Hessens, dazu Institute der Kredit- und Versicherungswirtschaft. Die BB-H arbeitet wirtschaftlich, aber nicht primär gewinnorientiert. Als Teil der Förderlandschaft wird die Bürgschaftsbank aber auch von der öffentlichen Hand unterstützt: Der Bund und das Land Hessen übernehmen so genannte Rückbürgschaften, tragen also einen Teil des Risikos der Bürgschaftsbank. Volkswirtschaftlich gesehen eine gute Investition.

 

Die Bürgschaftsbank Hessen bietet folgende Produkte an:

Bei der „klassischen Bürgschaft“ führt der Weg zunächst über die Hausbank, bei „Bürgschaft ohne Bank“ hingegen stellen Gründer oder Unternehmensnachfolger, aber auch bestehende Unternehmen, erst einen Antrag bei der Bürgschaftsbank, um sich danach (bei Zusage) die finanzierende Bank zu suchen. Mit der „Express-Bürgschaft“ können Unternehmen bzw. die Hausbanken in der Regel binnen 24 Stunden eine Bürgschaft erhalten. Mit der Leasing-Bürgschaft können Leasing-Vorhaben besichert werden.

Im Agrarsektor können Betriebe aus Marktfruchtanbau und Viehwirtschaft, aber auch Winzer, Fischzuchtbetriebe und Imker ihre Investitionen und Betriebsmittel mit einer Bürgschaft besichern.

Details zu allen Angeboten der Bürgschaftsbank Hessen auf
www.bb-h.de.

 

Über die Bürgschaftsbank Hessen GmbH

Als aktive Selbsthilfeeinrichtung der Hessischen Wirtschaft fördert die Bürgschaftsbank Hessen GmbH (BB-H) seit mehr als 65 Jahren den wirtschaftlichen Erfolg kleiner und mittlerer Unternehmen sowie Freiberufler. Für Unternehmer, die ein überzeugendes Konzept vorlegen, stellt die Bürgschaftsbank Hessen Bürgschaften für Kredite oder Beteiligungen. Gesellschafter sind Kammern sowie Verbände aus Handel, Industrie und Handwerk, Kreditinstitute und eine Versicherung.

 

Pressekontakt Bürgschaftsbank Hessen:

Guido Augustin

Tel. 06131 / 48948-10

ga@guidoaugustin.com

Jochen Ruths ist Präsident des Handelsverbands Hessen, Aufsichtsrat der Bürgschaftsbank Hessen und Unternehmer mit einem Modegeschäft in Friedberg. Wir haben ihn zur aktuellen Lage befragt:

Was sind – in aller Kürze – die wichtigsten Aufgaben des Handelsverbandes Hessen und wen vertreten Sie?

Der Handelsverband Hessen vertritt die Interessen von 7.200 Mitgliedsunternehmen mit 200.000 Beschäftigten in 17.000 Arbeitsstätten auf einer Verkaufsfläche von 22 Mio. qm und einem Jahresumsatz der Branche von 51 Mrd. Euro. Professionell, regional und breit aufgestellt, sind wir gemeinsam für die hessischen Händlerinnen und Händler da.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage im Handel, nach zwei Jahren Pandemie und Kriegsausbruch?

In den vergangenen zwei Jahren hat der Verlauf der Pandemie und die damit einhergehenden Lockdowns und Corona-Maßnahmen die Entwicklung der Handelsbranche stark beeinflusst. In zwei Jahren seit dem ersten Lockdown gab es insgesamt 569 Verkaufstage im stationären Handel. An 263 Tage waren unsere Läden (46% der Gesamttage) geschlossen, oder mit Einschränkungen im stationären Nonfoodhandel belegt. In Folge sind die Frequenzen und Umsätze im stationären Handel stark zurückgegangen.

Auch nachdem die 2G-Beschränkungen im Einzelhandel weggefallen sind, erreichen große Teile der Branche nach wie vor nicht das Umsatzniveau der Zeit vor Corona. Am meisten haben nach wie vor Händler in Innenstadtlagen zu kämpfen. Viele Einzelhändler in den Innenstädten verzeichnen nach wie vor ein erhebliches Umsatzminus. So sind ganze Stadtzentren bedroht. In der Folge kommen vor allem die Hauptgeschäftslagen, deren Geschäftsmodell auf hohe Kundenzahlen ausgerichtet ist, nur sehr langsam aus dem Krisenmodus. Dies ist eine dramatische Entwicklung, denn ohne lebendigen Einzelhandel gibt es keine attraktiven Innenstädte und Stadteilzentren.

Besonders stark betroffen sind dabei kleinere und mittelständige Unternehmen in Branchen wie dem Bekleidungs- und Schuhhandel. Von diesen beurteilen mehr als die Hälfte die aktuelle Geschäftslage im Frühjahr 2022 als schwierig.

Der Handelsverband Hessen schaut mit großer Besorgnis und Betroffenheit auf die schrecklichen Entwicklungen in der Ukraine und denkt voller Anteilnahme an die Menschen vor Ort.

Zusammen mit unserem europäischen Dachverband EuroCommerce und anderen europäischen Wirtschaftsverbänden fordern wir, dass diese Maßnahmen mit den USA und anderen Partnern koordiniert werden. Dabei wird unsere Branche die Politik bei den Maßnahmen unterstützen, die notwendig sind. Die Maßnahmen müssen dabei so klar wie möglich gefasst werden, sodass die Unternehmen, die sie einhalten müssen, Rechtssicherheit erhalten. Die Situation hat sich bereits auf unsere Mitglieder ausgewirkt, die in der Ukraine und in Russland tätig sind. Dabei werden Sie politische Unterstützung bei der vor Ort Betreuung ihrer Mitarbeitenden benötigen.

Gibt es in Hessen eine besondere Situation, die sich von der in anderen Bundesländern unterscheidet?

Mit seiner zentralen Lage in der Mitte von Deutschland, umringt von vielen Nachbarn, stand Hessen gerade in den letzten zwei Jahren im Fokus. Das Rhein-Main-Gebiet lebt von seiner Internationalität. Den Wegfall von Messen und Veranstaltungen haben wir in Hessen besonders gemerkt und auch durch die Homeoffice-Regel haben sich viele Kaufgewohnheiten stark verändert und das z.T. nachhaltig. Gleichzeitig war es auf nationaler und regionaler Ebene oft nicht leicht, die unterschiedlichen Regeln während der Corona-Pandemie nachzuvollziehen. Während beispielsweise in Bayern Baumärkte geöffnet hatten, waren bei unseren Nachbarn in Mainz Eisdielen geöffnet. Dabei standen wir Hessen dazwischen und die Regelungen änderten sich teilweise wöchentlich.

Was sind jenseits der Corona-Pandemie und des Krieges in Osteuropa in naher Zukunft die dringendsten Themen des Handels?

Aus dem aktuellen Geschehen ergeben sich Folgen und Herausforderungen für den Handel, die sich nicht isoliert betrachtet lassen. So ist die Entwicklung der Innenstädte ein Zukunftsthema, dass uns auch weiterhin beschäftigen wird. Auch die Digitalisierung im Handel, Stichwort dynamische Entwicklung des Onlinehandels, ist ein allgegenwärtiges Thema. Aber auch Klimawandel und Nachhaltigkeit sind weiterhin Themenschwerpunkte, die uns auch in Zukunft begleiten werden.

Was sind die wichtigsten Wünsche des Handels an die Politik?

Aufgrund der immer noch anhaltenden Folgen der Coronapandemie, bedarf es weiterhin der Unterstützung von Seiten der Politik für den Handel. Wir brauchen eine Investitions- und Innovationsoffensive für Stadt und Handel. Die von der Ampelkoalition geforderte Transformation der Wirtschaft muss durch gezielte Fördermaßnahmen zur Digitalisierung und für den Handelsstandort Innenstadt unterstützt und begleitet werden. Zudem müssen bessere Rahmenbedingungen für den Ausbau erneuerbarer Energieerzeugung im Einzelhandel und die Aufwertung der beruflichen Bildung zur Zukunftssicherung der Branche geschaffen werden. Viele Händler haben in der Corona-Krise ihre eigenen privaten Rücklagen aufgebraucht und haben jetzt keine Optionen mehr, in die Zukunft zu investieren. Hier ist die Politik aufgefordert, den Händlern unter die Arme zu greifen und dafür Sorge zu tragen, dass diese nicht abgehängt werden.

Welche Bedeutung haben die Sicherheiten der Bürgschaftsbank Hessen bei der Kreditvergabe für Handelsunternehmen?

Die Bedeutung von Bürgschaften spielt eine zentrale Rolle für den Handel, da die aktuellen Geschehnisse (Corona-Pandemie und der Ukraine-Krieg) zu herausfordernden Bankgesprächen führen. Kapital zu erhalten ist somit für viele Teile der Handelsbranche schwierig geworden. Die Bürgschaftsbank Hessen spielt hier eine zentrale Rolle, gemeinsam mit anderen Akteuren aus der Hessischen Wirtschaft wird Verantwortung für unseren Wirtschaftsstandort übernommen, um nachhaltigen Wohlstand zu sichern.

Als Vertreter Ihres Verbandes arbeiten Sie ja eng mit der Bürgschaftsbank Hessen zusammen – wie haben Sie diese Zusammenarbeit bisher erlebt?

Die Zusammenarbeit mit der Bürgschaftsbank Hessen ist auf allen Ebenen unserer Organisationen sehr vertrauensvoll, offen und professionell. Aktuell sind verlässliche Partnerschaften wichtiger denn je. Ich persönlich kann sagen, dass ich mit großer Freude mit meiner fachliche Expertise an der Arbeit der Bürgschaftsbank teilhabe. Gleichzeitig lerne ich immer wieder von den Experten der anderen Wirtschaftszweige und natürlich von den Fachleuten der Bürgschaftsbank.

 

Welchen Einfluss haben die deutschen Bürgschaftsbanken auf den Kreditzugang kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU)? Mit dieser Frage beschäftigte sich 2014 die Promotion von Anke Valentin an der Edinburgh Napier University. Das Ergebnis war eindeutig: Ohne Bürgschaftsbanken wären viele Kredite gar nicht vergeben worden. Im Rahmen der Studie hatte die Doktorandin 157 kleine und mittlere Unternehmen befragt, die von der Bürgschaftsbank Hessen unterstützt worden waren. Aus der damaligen Doktorandin Anke Valentin ist Frau Prof. Dr. Anke Haag geworden, sie lehrt an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) in Gießen – jetzt traf sie ihren damaligen Förderer Michael Schwarz, Geschäftsführer der Bürgschaftsbank Hessen wieder.

Frau Prof. Haag hatte seinerzeit selbst an der THM studiert, da diese jedoch kein Promotionsrecht hat – und weil es so spannend war – ging sie für ihre Doktorarbeit nach Edinburgh. Seit 2021 ist sie nun an alter Wirkungsstätte Professorin für allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Corporate Banking.

Seinerzeit hatte Michael Schwarz der Studentin Zugang zu den befragten 157 Unternehmen aus dem Bestand der Bürgschaftsbank Hessen ermöglicht – ein Glücksfall für die junge Frau, die mehrere Institute angefragt hatte, weil so ihr Vorhaben erst möglich wurde. Neben der Wiedersehensfreude freuten sich Frau Prof. Haag und Michael Schwarz auch über die aktuelle PwC-Studie, die im Grunde zum gleichen Ergebnis kommt wie Jahre zuvor die Doktorandin, dass nämlich das Bürgschaftswesen eine wesentliche, in vielen Fälle gar essenzielle Rolle bei der Finanzierung des Mittelstands spielt.

Für die Zukunft avisierten die beiden eine regelmäßige Zusammenarbeit, vor allem sollen Mitarbeiter der Bürgschaftsbank den Studierenden der Betriebswirtschaftslehre aus der Praxis berichten, angedacht ist aber auch eine Neuauflage der Studie aus dem Jahr 2014 anhand neuer Daten, so dass sich auch Entwicklungen ablesen lassen.

Am 19. Mai sind wir mit einem Stand zu Gast bei der Zukunftswerkstatt Nachfolge der IHK Wiesbaden, die an der ebs in Oestrich-Winkel stattfindet.

Programm und Anmeldung hier.

Am 19. Mai trifft sich die Gesellschafterversammlung der Bürgschaftsbank Hessen, um zurück auf das abgelaufene Jahr 2021 zu sehen, den Abschluss zu genehmigen und um die Weichen für sie Zukunft zu stellen.

Am 24. Mai gegen der Hessische Gründerpreis und jumpp einer spannenden Frage nach: Female Leadership – führen Frauen anders? Das Event findet im Lokschuppen Marburg statt. Unsere Firmenkundenbetreuerin Christine Prümmer sucht für uns mit nach den Antworten.

Infos und Anmeldung hier.

Am 31. Mai ist unser Geschäftsführer Sven Volkert zu Gast an der THM in Gießen und hält vor Studierenden von Frau Prof. Haag einen Vortrag über das Geschäftsmodell und die Steuerung unseres Hauses.

Am 31. Mai laden die Arbeitgeberverbände des hessischen Handwerks zu einem parlamentarischen Abend ins Kurhaus Wiesbaden.

Am 11.6. findet die Jahreshauptversammlung des Verbandes Baugewerblicher Unternehmer Hessen im Darmstadtium statt. Zu Gast sein wird neben anderen Mahsa Amoudadashi, die erste Herzlichkeitsbeauftragte Deutschlands.

Nach langer langer Zeit trifft sich unser Bürgschaftsausschuss zum ersten Mal wieder live – und das gleich an besonderer Stätte, es geht nach Kassel zur Documenta fifteen.